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Weg in die Selbstständigkeit mit Stolpersteinen gepflastert: Veranstaltung mit dem Unternehmerinnen-Netzwerk beleuchtete Chancen und Risiken

Großwallstadt.
Ein eigenes Unternehmen zu gründen, das birgt Chancen und Risiken - letztere besonders für Frauen. Welche Stolpersteine im Weg liegen und wie Unternehmerinnen und Freiberuflerin in die berufliche Selbstständigkeit kommen, wurde am Montagabend, 22. Oktober 2007, im Großwallstadter Zentec beleuchtet. Dazu eingeladen hatten die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) im Kreis Miltenberg und das Netzwerk für Unternehmerinnen und Existenzgründerinnen am bayerischen Untermain.

AsF-Kreisvorsitzende Rita Follner (Altenbuch) erläuterte in ihrer Begrüßung, dass sich die AsF intensiv mit Thema Chancengleichheit von Frauen im Beruf befasse. Die gemeinsame Veranstaltung mit dem Unternehmerinnen-Netzwerk biete nun einen Einblick in die Praxis von selbstständig tätigen Frauen.
In einem Eingangsreferat machte Susanne Seidel, Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt Miltenberg, deutlich, dass eine Chancengleichheit von Männern und Frauen noch lange nicht erreicht ist. Frauen würden traditionell schlechter bezahlt als Männer, obwohl sie die selbe Arbeit leisteten. 75 Prozent der so genannten Mini- und Midi-Jobs würden von Frauen ausgeübt. Nur rund 30 Prozent aller Selbstständigen seien Frauen, davon der Hauptanteil (89 Prozent) im Dienstleistungssektor tätig. Nur sieben Prozent könnten mit dem Einkommen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheitere daran, dass es nicht genügend Kinderbetreuungseinrichtungen gebe und dass die Arbeitszeiten nicht familienfreundlich gestaltet seien.
Yvonne Mathiowetz (Elsenfeld), eine der vier Vorstandsfrauen im Unternehmerinnen-Netzwerk, stellte den Verein vor, in dem rund 70 selbstständige Frauen aus unterschiedlichsten Branchen als Mitglieder eingetragen sind. Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen, gemeinsame Messe-Auftritte und der Austausch seien die Hauptaktivitäten. "Wir sind aber auch Mutmacher für Frauen, die in die Selbstständigkeit gehen wollen", unterstrich sie.
Anne Franck-Frieden (Kleinostheim), die über die Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit als Fachfrau für Messeauftritte kam, hob die Bedeutung der Vernetzung hervor. Im Netzwerk für Unternehmerinnen habe sie kompetente Partnerinnen kennen gelernt, mit denen sie sich nicht nur austauschen, sondern auch kooperieren könne. Kritik übte sie an der Verteilung der Fördermittel. Sie habe einen Zuschuss über den europäischen Sozialfond erhalten, der aber durch Gebühren für einen Fortbildungskurs weitgehend wieder aufgesaugt worden sei. Den Kursteilnehmerinnen, die sich abschließend gegen eine Selbstständigkeit entschieden hätten, seien die Gebühren erlassen worden. Die, die das Risiko auf sich genommen hätten, wären aber zur Kasse gebeten worden. "Mir hätte ein persönliches Coaching viel mehr geholfen als der Kurs." betonte Franck-Frieden und plädierte für einen sinnvolleren Einsatz von Fördermitteln.
Immer mehr Aufgaben auf immer weniger Personal zu verteilen, diese Betriebsphilosophie hatte der Marketingfachfrau Claudia Werner (Karlstein) zu schaffen gemacht. Der Druck habe so stark auf ihr gelastet, dass sie ausgestiegen sei und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe. Ein finanzielles Polster habe ihr dabei geholfen, Rückschläge aufzufangen und die magische Grenze von fünf Jahren Selbstständigkeit zu überschreiten. "Ich habe es geschafft." erklärte sie nicht ohne Stolz, gab aber zu, dass Selbstdisziplin und Selbstbewusstsein immer wieder neu trainiert werden müssten. Sich selbst zu vermarkten, das sei wesentlich schwieriger, als für Andere Marketingstrategien zu entwickeln.
Über das Qualifizierungsprojekt "Effekt" informierte Gabriele Seidel (Johannesberg). Das von der bayerischen Staatsregierung unterstützte Programm habe zum Ziel, Frauen mit einer qualifizierten Ausbildung nach der Familienphase beim Weg in die Existenzgründung zu unterstützen. Das zentrale Anliegen sei, das unternehmerische Denken von Frauen zu stärken. Leider sei die finanzielle Förderung ausgelaufen und nicht klar, wie es nun weiter gehen soll. Seidel forderte eine niederschwellige Beratungsstelle für Existenzgründerinnen außerhalb der IHK sowie schon im Kindesalter durch entsprechende Erziehungs- und Lehrkonzepte die unternehmerischen Potenziale bei Mädchen zu fördern.
Ruth Weitz

Über die Notwendigkeit, das unternehmerische Potenzial von Frauen zu stärken, sprach Gabriele Seidel vom Förderprojekt "Effekt".
Foto: Ruth Weitz

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